Rumänien Bukarest ![]() Das Auge reist nach Bukatrist (Bucureşti). Zugegeben. Die Reise war nur kurz. Und gesehen hat es nicht viel bei dem dreitägigen Filmdreh. Was bleibt, ist der Eindruck staubiger Tristesse, Grundfarbe: Rost. Kaputtes Glas, kaputte Straßen, Kratzer und Beulen in Häusern und Menschen. Eine Stadt voller Trümmer des Größenwahns, nach 13 Jahren noch bedrückend gegenwärtig. Den Palast, das zweitgrößte Gebäude der Welt hat es gesehen. Die riesigen Schneisen, die in die Altstadt gehauen wurden. Die zwischen Plattenbauten eingesargten Kirchen. Dem Willen eines Menschen folgend, der Menschen mit sechsstündigen Reden gefoltert hat (ich habe einige Manuskripte gesehen, minutiös wurde aufgezeichnet, an welchen Stellen wer wie lange applaudiert und was skandiert wurde, von lang anhaltendem, zustimmendem Beifall bis zu rhythmischem Applaus, stehenden Ovationen und frenetischen Rufen: Ceausescu Frieden!). Das Auge hat beschämt weggeschaut. Es liegt auf einem brüchigen Trottoir, nahe dort, wo einmal der Stadtkern gewesen sein muß, und schaut auf ein Haus, das seit den Kriegsjahren verfällt und aus dessen Mauer Bäume wachsen. Es denkt nach und zählt leise die Titel auf, die dem Conducator verliehen wurden: Gigant der Neuzeit. Ein Licht, das selbst der Sonne trotzt. Genie der Epoche. Erlöser der Erde. Schatzkammer der Weisheit. Erster Denker dieser Erde. Aufgeklärter Stratege des Glücks. Garant der Blüte Rumäniens. Titan der Titanen. ![]() Ljubomir Stoimenoff, Steinbach/Taunus |