Rußland Awatschinskaja Sopka Am Ende der “alten” Welt oder am Beginn der “Neuen”?: Kamtschatka „Und fuer unser Volk ist es schwierig, sich Russland vorzustellen, mit allen moeglichen Klimazonen von arktisch bis tropisch, mit vielen unterschiedlichen Rassen und Sprachen“, Seit meiner ersten Begegnung faszinieren mich dieses Land und seine Menschen immer wieder aufs Neue. Es war mir immer ein Herzenswunsch auch einmal den östlichsten Punkt des Landes von Moskau aus zu besuchen. Leider hat es aber nur bis Kamtschatka gereicht. Anfang August 2011 habe ich gemeinsam mit meinen russischen Freunden einen 10 Tage andauernden „Männer-Trip“ als Großstadt-Cowboys unternommen. Mit 8 Stunden Zeitunterschied zu Moskau und fast 10 Stunden Flug von Moskau erreicht man die größte Halbinsel Ostasiens, die von der Fläche einige Tausend km² größer ist als Deutschland. Von den knapp 400.000 dort lebenden Halbinsulaner (angeblich gibt es mehr Bären als Menschen!!) leben die Hälfte in der Hauptstadt Petropawlowsk-Kamtschatski.
Man kommt nicht hierher, auf den Spuren der Geschichte oder um kunsthistorische Entdeckungen zu machen. Hier steht die Natur in ihrer ursprünglichsten Form im Zentrum: Von mehr als 160 Vulkanen (30 davon aktiv), Geysiren und anderen warmen Wasserquellen, Flüsse, aus denen man mit bloßen Händen fischen kann, natürlich nur, wenn man schnell genug ist, Bäche, aus denen man trinken kann, grün und Wald soweit das Auge reicht. Es zischt, rumort, riecht und blubbert ringsum. Bei allen Begehungen, Märschen, Bootsfahrten flussauf und ab, Pazifiktouren, ja, auch einer Hubschraubertour, war das Auge mit dabei und hat alles gesehen. Abgelegt habe ich den Augenstein dann auf den Kraterrand des Vulkans Awatschinskaja Sopka (Авачинская сопка). Dieser aktiver Schichtvulkan hat eine Höhe von ca. 2.800 m und liegt nördlich der Stadt Petropawlowsk-Kamtschatski - immer in Sichtweite zur Stadt. Von vielen Stellen aus kann man ihn sehen. Auf dem Gipfel der Awatscha kann man den Krater mit einem Durchmesser von 350 m bewundern. Um dorthin zu gelangen, mussten wir 7,5 Stunden stramm marschieren, mit einer durchschnittlichen Steigung von etwa 40 Grad. Oben angekommen - fix und fertig -aber glücklich, haben wir das Panorama der umgebenden Landschaft, die unterschiedlichsten Farben (Schwarz, Rot, Schwarz) und stinkenden Rauch des vor sich hin köchelnden Vulkans bewundert.
Nach insgesamt mehr als 12 Stunden Marsch endlich zurück am Basiscamp fühlte ich mich erschöpft und glücklich zugleich. Mit einer Flasche Kamtschatka-Bier auf dem Boden sitzend und den Vulkan betrachtend stellte ich fest, dass dies für mich die wohl eindrucksvollste Erfahrung mit der Natur war. Zafer Toker, 14. August 2011, Moskau Zafer Toker, Frankfurt/Main |